Aufzeichnung unseres Webinars
Wir freuen uns sehr über das große Interesse und die zahlreichen Teilnehmenden. In unserem Webinar haben Dr. Ulrich Bergmoser und Dr. Andreas Greis aufgezeigt, welche Faktoren in herausfordernden Unternehmenssituationen entscheidend sind, um Stabilität zu schaffen und Transformationsprozesse erfolgreich zu gestalten.
Die Aufzeichnung des Webinars steht Ihnen nachfolgend zur Verfügung.
Unterhalb des Videos finden Sie außerdem eine schriftliche Zusammenfassung der während des Webinars gestellten Fragen – inklusive der ausführlichen Antworten unserer Referenten.
Weitere Inhalte zum Thema Führung erwarten Sie
Uns ist bewusst, dass der Aspekt der Führung im Rahmen der Veranstaltung nur teilweise vertieft werden konnte. Dieses Thema werden wir in den kommenden Wochen in weiteren Formaten und Fachbeiträgen ausführlicher aufgreifen.
Vielen Dank nochmals für Ihre Teilnahme und Ihr Interesse an den Inhalten von Valtus. Wir freuen uns darauf, Sie auch bei zukünftigen Veranstaltungen und Veröffentlichungen zu begrüßen.
UNSERE KENNZAHLEN
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Ihre Fragen zum Webinar
Tatsächlich ließ sich die Geschäftsführung während der im Webinar dargestellten Phasen der real-Krise beraten. In der vorinsolvenzlichen Phase handelte es sich im Wesentlichen um eine fortlaufende insolvenzrechtlichen Bewertung der Situation und den Betrieb eines komplexen Modells zur Prognose der Liquiditätsentwicklung. In der Phase der Notgeschäftsführung musste die insolvenzrechtliche und schuldrechtliche Beratung ausgeweitet werden. Nach Insolvenzeintritt wurde diese Beratungsintensität zunächst beibehalten und um eine M&A-Komponente erweitert werden. Seit Ende 2023 wurde die Beratungsintensität schrittweise zurückgefahren und schließlich auch das gesamte Liquiditätsmanagement internalisiert. Der Umfang der eingesetzten Berater war also phasenabhängig und insgesamt vergleichsweise schlank.
Die Inventurdifferenz verkörperte einen Minderbestand an Waren und damit geringere Zahlungsmittelzuflüsse als ursprünglich prognostiziert, denn es konnten weniger Waren abverkauft werden. Dementsprechend hatten die ergriffenen Maßnahmen in erster Linie die Bewältigung der der Inventurdifferenz folgenden Liquiditätsprobleme zum Gegenstand. Die wesentlichen Maßnahmen bestanden in der Abschätzung der Liquiditätsfolgen unter Berücksichtigung der vorhandenen Sicherheitenrechte am Warenbestand, der rechtlichen Bewertung der Differenz im Hinblick auf den geschlossenen Vertrag über einen unechten Massekredit sowie in der Verhandlung eines Entgegenkommens mit Sicherheitengebern.
Es handelte sich um sogenannte Asset Deals, also Veräußerungen des Geschäftsbetriebs der betroffenen Märkte Dies umfasste deren Vermögensgegenstände und Schulden sowie die Beschäftigungsverhältnisse (§ 613a BGB).
Tatsächlich steht der CFO in Organstellung in einer besonderen Verantwortung, Haftungsrisiken zu erkennen, abzusichern bzw. zu mildern und schließlich zu bewältigen. Haftungsrechtlich besonders relevant ist der Zeitraum vor Eröffnung des (vorläufigen) Insolvenzverfahrens. Überragend wichtig für die Risikodämpfung ist ein professionelles und pflichtgemäßes Handeln des CFO. Dies erfordert eine gewisse Erfahrung und beinhaltet beispielsweise die Einrichtung einer professionellen, den insolvenzrechtlichen Anforderungen genügenden Liquiditätsprognostik. Ferner muss der CFO ab dem Zeitpunkt der Notgeschäftsführung unverzüglich den Zahlungsverkehr reglementieren und qualifizierte Zahlungsverbote erlassen. In dieser Phase empfiehlt es sich, das eigene Handeln insolvenzrechtlich bewerten zu lassen und zu dokumentieren. Last but not least sollte der CFO darauf achten, dass für die Unternehmensorgane D&O-Versicherungsschutz mit einer ausreichenden Deckung besteht.
Kommunikation war ein unverzichtbares Handlungsfeld der real-Geschäftsführung. Abhängig von den dargestellten Phasen der real-Krise kamen zielgruppenbezogene Kommunikationsmaßnahmen zum Einsatz. Mit der Arbeitnehmervertretung und den Unternehmensorganen führte die Geschäftsführung einen ständigen Dialog und bediente sich sowohl mündlicher als auch schriftlicher Kommunikationsmittel. Gleiches galt für strategische Partner und Schlüssellieferanten, die teilweise sogar Adressaten einer schriftlichen, controllingähnlichen Berichterstattung waren. In Insolvenznähe wurden zudem sämtliche Lieferanten und Geschäftspartner sowie andere wesentliche Zielgruppen – wie z. B. politische Handlungsträger und die allgemeine Öffentlichkeit – schriftlich über die Situation des Unternehmens informiert. Nach innen bediente sich die Geschäftsführung üblicher Kommunikationsformate wie Betriebsversammlungen, Newsletter, Intranet und Einzelansprachen.
In der Vorinsolvenzphase wurden die strategischen Handlungsoptionen für das real-Management in Szenarien definiert und modelliert. Das zuletzt präferierte Szenario einer solventen Liquidation ließ sich nach dem Scheitern der Übernahmeverhandlungen mit Wettbewerbern nicht mehr verwirklichen. Daraufhin strebte die Geschäftsführung eine Insolvenz in Eigenverwaltung an, die unter Bewahrung von über 1.000 Arbeitsplätzen bis zum heutigen Tage verwirklicht werden konnte.
Wesentliche Erkenntnisse hatte ich als „Best Practice“ für zukünftige Krisenbewältigungen am Ende des Webinars zusammengefasst: Zu ihnen zählen ausreichende Managementkapazitäten, eine saubere vorausschauende Planung komplexer Managementaufgaben („3-Monatsregel“) und die Verwendung von Sonder- bzw. Projektorganisationen für Aufgaben, für deren Wahrnehmung die „Linienorganisation“ des Unternehmens nicht geeignet ist.
Das Management-Board bestand anfänglich aus vier, danach aus drei und später aus zwei Personen auf C-Level. Das Turnaround-Team umfasste zudem Spezialisten für Retail-Einkauf und Marktschließungen. Insgesamt also bis zu sechs Führungskräfte im Kernteam. Tatsächlich gelang es, das unerwünschte Ausscheiden von Schlüsselpersonal gänzlich zu vermeiden. Dazu wurden Einzelgespräche geführt und in sehr begrenztem Umfang auch finanzielle Anreize gesetzt. Das Kernteam war hochmotiviert und führte durch persönliches Beispiel.
Das StaRUG ist ein für bestimmte Situationen geeignetes und auch wirkungsvolles Verfahren. Im hier vorliegenden Fall war seine Anwendung zunächst unzweckmäßig und später nicht möglich.
Im Geschäftsjahr 2023 verfügte die real-Gruppe nicht mehr über ein nennenswertes Immobilienvermögen.
