Private Equity in Europa: Warum Umsetzung über Rendite entscheidet

Germany - DE
09 Sep. 2026

Vor 25 Jahren steckte der europäische Private-Equity-Markt in einer frühen Entwicklungsphase. Heute treibt die Branche Unternehmenstransformation, Kapitalallokation und Wertschöpfung im großen Stil. Nach zwei verhaltenen Jahren gewinnt der Markt gerade wieder an Dynamik, doch die Regeln verschieben sich: Deals werden größer und komplexer, Financial Engineering verliert als Renditetreiber an Bedeutung, und operative Umsetzung entscheidet zunehmend über den Erfolg. Ein Blick auf die nächsten 25 Jahre, mit Stimmen aus der Valtus Group und einem klaren Fokus auf Deutschland.

Ein Markt gewinnt wieder an Dynamik

Nach zwei Jahren verhaltener Aktivität nimmt der europäische Private-Equity-Markt wieder Fahrt auf. Laut dem European Private Equity Outlook 2026 von Roland Berger erwarten mehr als 75 Prozent der befragten PE-Experten für 2026 einen Anstieg der M&A-Transaktionen mit Private-Equity-Beteiligung gegenüber 2025. Die Gründe: aufgeschobene Exits, enger werdende Bewertungsunterschiede und bessere Finanzierungsbedingungen.

Die Deal-Aktivität in Europa erholt sich bereits sichtbar. Das Transaktionsvolumen stieg von 2024 auf 2025 um 13 Prozent, mit besonders starkem Wachstum in den Nordics, in Großbritannien und in der DACH-Region.

+75 %
der PE-Experten erwarten 2026 mehr PE-Deals
+13 %
Transaktionsvolumen Europa 2024 auf 2025
2,6 Bio. $
globaler PE-Dealwert 2025 (+19 %)

Zugleich konzentriert sich die Erholung auf größere Transaktionen. 2025 stieg der globale Private-Equity-Dealwert um 19 Prozent auf 2,6 Billionen US-Dollar, während die Zahl der Deals um 5 Prozent zurückging. Getragen wurde der Anstieg vor allem von großvolumigen Transaktionen. Europa folgt dem Trend: Der Buyout-Dealwert legte um 8 Prozent zu. Der Markt wird selektiver, weniger Transaktionen, dafür deutlich größere.

„Je größer und komplexer PE-Deals werden, desto weniger entscheidet allein die richtige Strategie. Entscheidend ist die schnelle Umsetzung unter hohem Druck und über viele parallele Handlungsfelder hinweg. Genau hier wird Executive Interim Management zu einem entscheidenden Hebel für die Wertschöpfung."

Björn Henriksson, Group CEO bei Valtus

Branchen als Treiber der nächsten Ära

Die Branchenlandschaft im europäischen Private-Equity-Markt verschiebt sich. Technologie, Software und digitale Lösungen führten die Deal-Aktivität 2025 mit rund 803 Transaktionen an. Auch für 2026 werden hier die stärksten Wachstumsimpulse erwartet (Roland Berger).

Gleichzeitig wird Infrastruktur zu einem zentralen Investitionsfeld, besonders in Deutschland. Ein öffentliches Investitionsprogramm von 500 Milliarden Euro soll in den kommenden zehn Jahren rund 200 bis 250 Milliarden Euro an infrastrukturrelevanten Ausgaben mobilisieren. Profitieren dürften vor allem Mobilität, Energienetze und spezialisierter Tiefbau.

Für den deutschen Markt ist das der entscheidende Hebel. Manoj George, Partner bei Valtus Germany mit Schwerpunkt Private Equity und Restrukturierung, ordnet ein, was diese Infrastrukturwelle für Portfoliounternehmen bedeutet.

Manoj George

Partner, Valtus Germany · Private Equity, Restrukturierung

Als Partner bei Valtus Germany begleitet Manoj George Private-Equity-Häuser und ihre Portfoliounternehmen in Transformations- und Skalierungssituationen. Seine Einschätzung zu Deutschlands Infrastrukturprogrammen und der Rolle von Interim Executives.

„Deutschlands groß angelegte Infrastrukturprogramme schaffen in der Umsetzung erhebliche Wertschöpfungspotenziale, dort, wo Portfoliounternehmen unter Kosten-, Kapazitäts- und Regulierungsdruck skalieren müssen. PE-Häuser können gezielt Interim Executives einsetzen, um Projekte zu stabilisieren, PMO-Strukturen zu professionalisieren und Margendisziplin zu sichern. Der Wert entsteht weniger durch Strategie, sondern durch Geschwindigkeit, Kontrolle und konsequente Umsetzung."

– Manoj George, Partner bei Valtus Germany

George verweist auf die konkrete Wirkung im Portfolio: Interim CEOs, COOs und CFOs beschleunigen Entscheidungen, schließen Governance-Lücken und helfen, öffentliche Investitionen in planbare Cashflows zu überführen.

Über Infrastruktur und Technologie hinaus bleibt das Branchenspektrum breit. Healthcare und Pharma setzen ihren strukturellen Wachstumskurs fort: Zwischen 2024 und 2025 stieg die Deal-Aktivität um 41 Prozent. Business Services, Financial Services und MedTech ergänzen ein robustes Feld, das für PE-Investoren wegen seiner Skalierbarkeit und wiederkehrenden Umsätze attraktiv bleibt.

„In Frankreich und Europa wird Private Equity vor allem dort wachsen, wo Buy-and-Build-Strategien und operative Transformation skalierbare Wertschöpfung ermöglichen, besonders im Gesundheitswesen, bei technologiegestützten B2B-Plattformen und Industrienischen rund um die Energiewende. Fonds, die Kapital mit operativer Umsetzungskraft verbinden, werden erfolgreicher sein."

Emmanuel Fretti, Senior Partner bei Valtus France

Für Italien beschreibt Pietro Butté, Partner bei Valtus Italy, ein besonderes Umfeld: Die Stärken des Landes liegen in der traditionellen Industrie und im Luxusgütersegment, die in den kommenden Jahren verstärkt PE-Investitionen anziehen dürften. Auch erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung, nicht zuletzt durch den italienischen Aufbau- und Resilienzplan (PNRR), der mit umfangreichen EU-Mitteln vor allem grüne Investitionen fördert.

Wertschöpfung neu denken

Die Zeit, in der Financial Engineering der zentrale Renditetreiber war, ist vorbei. Mit normalisierten Zinsen und weiterhin hohen Bewertungsmultiples, fast die Hälfte der PE-Experten hält die aktuellen Bewertungen für überhöht (Roland Berger), hat sich der Fokus klar auf operative Wertschöpfung verlagert. 2026 stehen Add-on-Akquisitionen, KI-Integration und digitale Transformation zur Performance-Steigerung im Portfolio im Mittelpunkt.

„In komplexen Situationen, etwa bei Post-Merger-Integrationen, Carve-outs, Buy-and-Build-Plattformen oder Cross-Border-Deals, geht Wertschöpfung oft an Schnittstellen verloren: zwischen Strategie und Umsetzung, Synergiezielen und P&L-Effekt, Systemen und belastbaren Daten. Interim Executives schaffen hier Mehrwert durch sofortige Umsetzungskraft, klare Verantwortlichkeiten und erprobte Vorgehensweisen aus vergleichbaren Situationen."

Björn Henriksson, Group CEO bei Valtus

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel beim Einsatz von KI. Fast die Hälfte der Befragten der Roland-Berger-Studie erwartet den größten Nutzen von KI in der Due Diligence, deutlich mehr als im Vorjahr. Auch EY hebt KI-gestützte Deal-Suche und Portfolioüberwachung als zentrale Fähigkeiten künftiger Fondsmanager hervor. In den kommenden fünf Jahren dürfte KI zum am schnellsten wachsenden Hebel der Wertschöpfung entlang des gesamten PE-Lebenszyklus werden.

Das nordische Modell: schneller in der Umsetzung

Bei der Wertsteigerung nach einer Übernahme unterscheidet sich der nordische Ansatz deutlich. Die Region verfügt über ein starkes Tech-Ökosystem, PE-Investoren stützen weiterhin Unternehmen mit Fokus auf KI, Machine Learning und digitale Transformation. Mit zunehmender Digitalisierung wächst der Bedarf an digitaler Infrastruktur: Die nächste Generation PE-finanzierter Unternehmen dürfte verstärkt in Rechenzentren, Cloud Computing und Breitbandnetze investieren.

„Nordische Private-Equity-Gesellschaften setzen häufig auf innovative Investmentmodelle wie Impact Investing, das finanzielle Rendite mit positiver gesellschaftlicher oder ökologischer Wirkung verbindet. Die für die nordischen Länder typische kooperative und flache Organisationskultur ermöglicht schnellere operative Veränderungen nach einer Übernahme, ein Vorteil bei der Umsetzung von Wertschöpfungsstrategien."

Thérèse Liljedahl von Segebaden, Partnerin bei Nordic Interim Sweden

Risiken in einem sich wandelnden PE-Markt

Für den europäischen Private-Equity-Markt bleiben die Aussichten positiv, zugleich bestehen klare Herausforderungen. Planbare Cashflows sind weiterhin die größte Hürde bei der Fremdfinanzierung: 80 Prozent der PE-Experten nennen sie als wesentliches Hindernis (Roland Berger). Makroökonomische Unsicherheit, geopolitische Risiken und der strukturelle Druck in zyklischen Branchen wie Automotive und Chemie erfordern hohe Disziplin bei der Deal-Auswahl.

Wie Pietro Butté betont, schaffen die strukturellen Herausforderungen im KMU-Umfeld zugleich Komplexität und Chancen für Investoren.

„Italien verfügt über zahlreiche traditionelle Industrie-KMU mit hochwertiger Nischenproduktion, oft mit international exzellentem Ruf. Vielen fehlen jedoch Kapital und Managementkompetenz für internationale Skalierung und Digitalisierung, und viele sind familiengeführt und mit ungelösten Nachfolgefragen konfrontiert. Die starke Fragmentierung bietet erhebliches Potenzial für PE-getriebene Konsolidierungsstrategien."

Pietro Butté, Partner bei Valtus Italy

Hinzu kommt der Druck auf der Kapitalseite: Der Wettbewerb im Fundraising bleibt hoch, zugleich drängen Limited Partners (LPs) verstärkt auf schnellere Exits. Auch ESG-Kriterien gewinnen an Bedeutung. Sie stehen kurzfristig oft nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, sind aber zunehmend fest in LP-Vorgaben und regulatorischen Rahmenwerken verankert. In den kommenden Jahren dürfte sich ESG von einer reinen Compliance-Anforderung zu einem strategischen Hebel für Wertschöpfung und Risikomanagement entwickeln.

Nicht das Kapital entscheidet, sondern die Umsetzung

Die nächsten 25 Jahre des europäischen Private-Equity-Marktes entscheiden sich nicht am eingesetzten Kapital, sondern an der Qualität und Präzision seines Einsatzes. PE-Häuser und ihre Berater, die Branchenexpertise, Technologiekompetenz und operative Exzellenz verbinden, prägen die nächste Generation europäischer Marktführer.

Auf einen Blick

Marktlage: Erholung nach zwei schwachen Jahren, +13 % Transaktionsvolumen in Europa, Trend zu größeren Deals

Treiber: Technologie und Software vorn, Infrastruktur als zentrales Feld in Deutschland (500-Mrd.-Programm)

Werthebel: Verschiebung von Financial Engineering zu operativer Wertschöpfung, KI als schnellster Wachstumshebel

Risiken: Planbare Cashflows (80 % nennen sie als Hürde), Fundraising-Wettbewerb, ESG-Anforderungen

Perspektiven der Valtus Group: Deutschland, Frankreich, Italien und die Nordics

Der vollständige Report zum Download Dieser Beitrag ist die deutsche Einordnung einer europaweiten Analyse der Valtus Group. Den kompletten Sector Insight „Private Equity in Europa" mit allen Perspektiven aus Deutschland, Frankreich, Italien und den Nordics gibt es hier als PDF.
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„Bei großen, komplexen Deals schafft Strategie das Potenzial. Interim Executives machen es real."

– Björn Henriksson, Group CEO bei Valtus

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